Mittwoch, 30. April 2008

Puente

Puente heißt eigentlich Brücke. Aber so nennt man hier auch ein langes Wochenende... welchiges unmittelbar bevorsteht und das ich mit einem Großteil der Leute aus meinem College (siehe Bild des letzten Blogeintrags) in Granada, Cordoba und Umgebung verbringen werde. Aber bevor ich mich in mein Metallgestellbett schmeiße, noch Folgendes:

Lese grade einen Klassiker aus den Unineted States - Richard Niebuhrs Christ and Culture (1951). Wie leben die Christen ihren Glauben in ihrer Kultur und Umwelt? Wo lebt man wie Alternativkultur, wo wird mit welchen Worten über Chrsitus und seine Botschaft gesprochen? Wie leben die Christen ihren "doppelten Kampf" im Ringen um ein rechtes christliches Leben - Gott gegenüber und ihrer jeweiligen Kultur? Welche Antworten haben in den letzeten 2000 Jahren die Christen gegeben?


Steht Christus über jeder Kultur, oder der Kultur (vor allem, ausschließlich, auch?) entgegen? Oder sieht der Christ ihn als denjenigen an, der die jeweilige Kultur und die Christen vielmehr verwandelt? Oder gibt es vor allem Übereinstimmung, ist Jesus der Erfüller der menschlichen Kultur oder zB mit einer Kultur - etwa der westlichen - unauflöslich verbunden?

Diese Fragen betreffen ja nicht nur den einzelnen Christen, sondern auch die Kirchen und die zivilen Staaten und Gesellschaften. Aber zunächst einmal mich. Wofür trete ich - ausgesprochen oder nicht, bewusst oder nicht - ein, wo stehe ich?

Das schöne an einer Tyologie ist ja, dass man sich da unwillkürlich fragt, wo man denn jetzt selber reinpasst. Was dann zum Nachdenken anregt. Typen sind vor allem Werkzeuge, um besser zu sehen, nicht um sich und andere zu schubladisieren. Jedenfalls hat die bisherige Lektüre meinen Blick geschärft, einen Blickwinkel aufgetan: so und so auf die Dinge hinzuschauen.

Zu Recht bemerkt der Autor des Vorwortes: Klassiker sind Bücher, die einen Beitrag leisten, an dem man, immer wenn man über das betreffende Thema spricht, nicht herumkommt, die Begrifflichkeiten und Unterscheidungen schaffen, die bleiben, die ihr Gedankenwerkzeug ganzen weiteren Generationen zur Verfügung stellen.

In welcher Weise ist Christus für die heutige Welt relevant? Was werden die Historiker über unser Christentum einst schreiben? Zu meinen wir wären unwichtig für das Weltgeschehen halte ich für falsch und unwürdig.

Zum Abschluss genau dazu ein Zitat eines Spaniers, der seinerseits viele Menschen bewegt hat, ihre Kultur(en) von Christus her zu erneuern:
Ein Geheimnis - ein offenes Geheimnis: es gibt Weltkrisen, weil es an Heiligen fehlt.
Gott wünscht eine Handvoll "seiner" Leute in jeder menschlichen Tätigkeit. - Dann... "pax Christi in regno Christi" - der Friede Christi im Reich Christi.

Josemaria Escrivá de Balaguer, Der Weg Nr 301

Dienstag, 22. April 2008

Nachbarn, Kollegen, Freunde

Ich fühl mich sehr wohl hier im Haus, das hab ich schon ganz zu Beginn gesagt und das hat sich nicht verändert. Mit allen hab ich eine gute bis sehr gute Basis gefunden, die Leute sind echt unkompliziert und entstpannt.


Hier für euch das offizielle Gruppenfoto vor unserem Haus, die Qualität - na, ist nicht der beste Apparat gewesen. Werde euch meine Hausgenossen wenn ich Zeit finde noch näher vorstellen - auch weil sie teilweise Lebenserfahrungen aus Ländern mitbringen, die wirklich ganz anders sind als das was wir so kennen...

Heute beim Austausch hat P. Pierre-Claver aus Rwanda (letzte Reihe, 3. von re, Kopf leider etwas verdeckt) von der Situation der Priester in seiner Heimat erzählt. Er kennt Priester, die manchmal einen ganzen Tag NICHTS zu essen haben bzw. ganz einem normalen Beruf nachgehen um sich wenigstens irgendwas leisten zu können.

Und mit Raisy aus St. Domingo (1.Reihe stehend 5. v.re) hatte ich zuvor noch ein Gespräch - warum zB nicht in Bildung investiert wird, die Gesellschaft nicht die korrupte Politik ändert etc. Er sagt, in ganz Südamerika haben sie das Problem, dass die Reichen und die Schicht mit Einfluss und Macht, also die, die etwas ändern könnten, ihr eigenes Leben führen, zB ihre eigenen elitären Privatschulen nach US-amerikanischem oder französischem System haben, mit 18 ihre Kinder auf Unis ins Ausland schicken etc. Das also die Elite NICHT für das Allgemeinwohl denkt und arbeitet.

Ich hoffe sehr, dass sich in unserer einen Welt die Dinge ändern. Nicht allen Reichen allen Reichtum nehmen und verteilen - aber Strukturen so ändern, dass alle Chancen und gerechte Bedingungen finden, menschenwürdig zu leben, zu arbeiten, wo Rede- und Pressefreiheit, wo eine funktionierende Justiz existiert usw. Da denk ich mir oft: Das kann doch ned sein dass das nicht funktioniert wenn nur bissl Wille und Einfluss der reichen demokratische Staaten da wäre etc....!!

Wie schwer das aber aufzubauen ist (selbst wenn es viele gut gewillte und gut ausgebildete Leute gibt), und wie gut das eigentlich bei uns zuhause funktioniert, das lerne ich hier immer mehr.

Mittwoch, 16. April 2008

Avila


Heute ist Sightseeing und virtuelle Wallfahrt angesagt. Am Wochenende war ich mit Wilmer aus Peru in Avila, der heiligen Terese einen Besuch abstatten und die kleine Stadt auf 1100m Höhe, nahe der Grenze zu Portugal, besichtigen.


Berühmt ist auch die rund um die Stadt gehende Mauer aus dem 12. Jh. Besonders eine (tlw. neu nachgebaute) römische Brücke plus Wegsteine abseits aller Touristenpfade hats mir angetan ... den Weg hat die Heilige mit Sicherheit öfters benutzt.


Oben die Kirche (mit Kloster natürlich) über ihrem Geburtshaus.

Teresa ist eine echte Powerfrau ihrer Zeit. Mit den Füßen auf der Erde, und ganz ihrem geliebten Jesus hingegeben. Bis heute denk ich ist ihr Modell einer auf zwölf beschränkten Gemeinschaft von Kontemplativen eine attraktive alternative Lebensform vieler Frauen. Ihre Schriften zählen zum Besten was wir an Schätzen geistlicher Art in unserer Kirche haben.

Hab den kurzen Aufenthalt genossen, auch wenns saukalt war. Jetzt fehlen noch Santiago de Compostela und Loyola als geistliche Fixpunkte eines Spanienaufenthaltes eines Theologen...

Viele Menschen in Paraguay hoffen auf einen Ex-Bischof


Christentum und politisches Engagement, ja nonaned, aber in unserer christlich-müden österreichischen Volkspartei? Oder in einer neuen christlichen Partei, die mit (teilweisen) guten Zielen einfach zu engstirnig unsekular agiert, um selbst für Erz-gläubige eine Alternaive ... ich meine, Alternative zu sein?

Paraguay wählt am 20. April einen neuen Präsidenten. Der ehemalige katholische Bischof von San Pedro im Norden des Landes, Fernando Lugo, ist einer der Kandidaten. Dass ein Bischof sein Amt niederlegt (vom Vatikan 2006 "suspendiert" von seinen priesterlichen Diensten und somit freigegeben für die Politik) und politisch für das Volk dasein will, ist einfach wunderwunderbar für mich. In Paraguay besitzen 2% der Einwohner 80% des Landes. Viele leben fern von politischer Einbeziehung (Indios) oder in Armut.

Wir denken normalerweise die Kategorien Politik und Liebe nicht zusammen. Chiara Lubich hat einmal die Politik als "höchste Form der Liebe" bezeichnet, weil sie die Bedingungen schafft, in der jeder (in Würde) seiner (von Gott geschnekten) Berufung als Mensch folgen kann. Heute ist die Form des klassischen Almosengebens das gesellschaftliche und politische Engagement als Christ. In diesem Sinne hoffe ich auf Gerechtigkeit für alle Menschen in Paraguay - besonders aber für die Armen und Indios.

Vgl. dazu den ORF Beitrag über Paraguay.

Montag, 14. April 2008

Jö, schau die Leut an die das gleiche lesn wie ich ...

Nachdem ich meine Literaturliste aufgepäppelt habe war ich natürlich gespannt, wer welche Autoren und Leseleidensachaften mit mir teilt, und - interessant! Die Typen die Beckett mögen sind durch die Bank eher schräge Vögel irgendwie, Lebert kennt kein Schwein, Schande über die Menschheit Kunze auch nicht, Mörike lesen drei, sogar einen zweiten interessiert mein Zizioulas (natürlich ein Theologe), Schiller favorisieren immerhin 12 Leutln, aller eher so Lebelustige mit Rohrkrepierblogs, hingegen 900 Einträge bei Milan Kundera.

Für mich eine der interessanten Weisen Menschen und ihre Lesegewohnheiten von überall "kennenzulernen". Wen´s ebenso interessiert ab ins Profil und bei den Interessen durchklicken.

Schönen Abend aus Madrid!

Freitag, 11. April 2008

Glaube und Wirklichkeit


"Der Glaube deutet die Wirklichkeit. Er ist keine letzte absolute Gewissheit und bietet keine absolute Sicherheit. Es gibt keinen Glauben ohne Zweifel. Aber es gibt auch keinen "Nicht-Glauben" ohne Zweifel.

Die Frage ist, ob dieser Glaube der Wirklichkeit entspricht oder nicht. Wir können die Deutungsmuster anschauen, mit denen Nicht-Glaubende die Wirklichkeit interpretieren. Entspricht das mehr der Wirklichkeit als Deutung des Glaubens?"

(Anselm Grün, Buch der Antworten)

Montag, 7. April 2008

My personal Jesus?


Caesarea Philipi ist bis heute u.a. wegen seiner imposanten Jordanquelle ein beliebtes Ausflugsziel. Dort gab es zur Zeit der römischen Besatzung auch einen großen heidnischen Tempel, mit Wahrsageservice etc. Dort hat Jesus, so wird berichtet, seine Jünger gefragt: "Für wen halten die Leute den Menschensohn? ... Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"

Erst heute ist mir aufgefallen, dass das eine Frage vor allem an diejenigen ist, die schon länger ihren Weg mit Jesus gehen, vielleicht ähnlich wie die Jünger in Mt 16, die in vielen Monaten ihrerseits zwei unglaubliche Brotwunder und unzählige Heilungen gesehen, den Gang Jesu auf dem Wasser, die Bergpredigt, ihre eigene Berufung, einen Propheten erlebt hatten, der sich selbst als "Menschensohn" bezeichnete.

Jetzt fragt sie der Herr in Caesarea, im nördlichsten Teil Galiläas, unmittelbar bevor er ihnen zum ersten Mal seinen Tod ankündigen wird, hinunter nach Jerusalem ziehen wird, sie enttäuschen wird in ihrer Hoffnung auf einen Messias den alle Welt als Sieger erkennen muss. Fragt sie, die ihm schon längts überallhin folgen, wer er in diesen Wochen und Monaten für sie geworden ist. Ganz persönlich. Ihn interssiert eben gerade nicht was die Leute so sagen.

Und, wie schön. Petrus findet seine Antwort, die mehr ist als das "korrekte Bekenntnis". "Du bist der Messias" Und sozusagen zugleich offenbart ihm der Herr seine daraufhin dessen "zweite" Berufung: "Du, Simon, du bist der Petrus, das ist jetzt deine Berfung für diese Welt, in der Kirche".

In diesem intimen Bereich seiner Beziehung zum Herrn erkennt Petrus Jesus als seinen Heiland, empfängt und entdeckt er so auch seine persönliche tiefere Berufung. Und zugleich spricht hier Petrus im Namen der Zwölf, zugleich ist seine zweite Berufung eine kirchliche, FÜR die anderen. Klarer und schlichter kann man das nicht ausdrücken.

Wenn wir selber uns diese Frage grundehrlich stellen und eine Antwort suchen und geben, wird der Herr uns seinerseits ein Licht geben, eine Antwort, einen Ruf. Aber nicht scheint der Kairos da zu sein, sich dem zu stellen, kann es sein, dass der Mut fehlt ...

Jesus, wer bis du für MICH? Was bedeutest du mir WIRKLICH? WILL ich dich lieben, und dir nachfolgen? Nicht Bildern von dir, nicht einem netten Platz im System der Kirche, nicht einer von Gruppen oder unserer Zeit erzeugtem Bild, sondern "dir als der-du-dich-für-mich-gezeigt-hast"?

Möglich, dass wir dieser Frage in den kommenden Tagen gemeinsam nachgehen.

Donnerstag, 3. April 2008

Noch drei Monate

Was sind schon drei Monate? Eben. Wie eine Freundin mir, der ich noch immer mit der Sprache kämpfe, gesagt hat: genieße die Zeit. Will auch heißen: nutze sie. Ärgere dich nicht nur über das kleinere oder größere Unvermögen deinerseits.

Anstrengung und Seinlassen, Tatkraft und Geduld, homo faber sein aber immer auch homo gratiae, offen für die Gnade. Auf sich schauen und die anderen nie vergessen. An sich arbeiten und Gott an sich arbeiten lassen.

Ich möchte in den nächsten Einträgen mehr Theologisches einbringen, hoffentlich in einer Form die allgemein interssant und verständlich ist. Das wird sich praktischerweise mit meiner Arbeit für die Uni decken.

Ich würde mich freuen, wenn ihr zu den Themen auch Stellung nehmt, eine Meinung postet. Nicht nur hier in Madrid bei Campusatmosphäre und inspirierenden Kollegen und Professoren meine ich, dass so viel von einer guten DENKweise abhängt.

Und wie recht hat Kant, wenn er von der selbstverschuldeten Unmündigkeit redet. Wir, und damit meine ich zunächst einmal mich selber, sind lieber bequem und und machen uns nicht die Mühe selber eine entschiedene und argumentativ begründete Position in zB umstrittenen gesellschaftlichen Dingen einzunehmen.

Aber wie bittesehr sollten wir sonst Salz und Licht dieser Erde in einer postmodernen pluralistischen Gesellschaft sein?

Sonntag, 23. März 2008

El vive! Er lebt! Alleluja!


Liebe Brüder und Schwestern, verehrte Leser meiner Webseiten - Euch allen ein gesegnetes Ostern anno domini 2008!

Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen,
wußte aber nicht, daß es Jesus war.

Jesus sagte zu ihr:
Frau, warum weinst du? Wen suchst du?

Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm:
Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.

Jesus sagte zu ihr: Maria!
Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!,
das heißt: Meister.

(Johannes 20, 14-16)


Weshalb ist diese Nacht

anders als alle anderen Nächte?



Geheimnis dieser Nacht

Geheimnis dieses Morgens:


Wenn du deinen Namen

dich

angeschaut und gemeint weißt


So in diesem Blick

der Liebe

den Herrn, den Meister erkennst


Jesus

zeig dich denen

die sich suchen

Amen.

Samstag, 22. März 2008

Freitag, 21. März 2008

Viernes Santo - Karfreitag

Aus Liebe will mein Heiland sterben

Aus Liebe, aus Liebe, aus Liebe will mein Heiland sterben,
Von einer Sünde weiß er nichts, nichts, von einer Sünde weiß er nichts.

Dass das ewige Verderben
Und die Strafe des Gerichts
Nicht auf meiner Seele bliebe.

Aus Liebe, aus Liebe, aus Liebe will mein Heiland sterben,
Von einer Sünde weiß er nichts, nichts, von einer Sünde weiß er nichts.

Nochmal diese Arie, die ich erst heuer so richtig entdeckt habe. Christian Fliegner singt als Solist des Tölzer Knabenchores. Mich hat seine Stimme und Interpretation sehr berührt, wunderbar klar und künstlerisch reif.

Keine Theologenworte können mir besser das Geheimnis von Karfreitag erklären als diese viereinhalb Minuten Musik.

Montag, 17. März 2008

Domingo de Ramos en Salamanca


Plaza Mayor






Palmsonntagsprozession in der Altstadt


Bin glücklich weil ich eine Kamera ausborgen konnte und hier wider Erwarten Internetanschluss habe. Voila, die ersten Bilder aus Salamanca.

Sie stammen von der Palmsonntagsprozession mit dem Bischof, an dem v.a. viele Kinder beteiligt waren (siehe oben die weißen Kapuzen). Hab aber nur wenige Kinder gut draufbekommen weil viele Leute und mein Zoom nur dreifach und die Kinder halt auch in Spanien klein sind.

Salamanca ist eine wunderschöne Stadt. Noe, Jesús und ich leben hier in einer großen Comunidad der Jesuiten mit ca. 70 meist alten Brüdern, ein Teil des Hauses wird als "infermeria" also quasi als Jesuiten-Altenheim geführt, wir arbeiten da schichtweise einen Halbtag mit.


Kathedrale


Casa de las Conchas (Haus der Muscheln)

Seminaristen auf Ausgang.
Cruzcampo heißt das Hopfengetränk



Freitag, 14. März 2008

O Crux Ave


Aus der Matthäuspassion von Bach

Aus Liebe will mein Heiland sterben
Harnoncourt, Concentus Musicus, Solo: Wr. Sängerknabe

andere Einspielung
Kommt ihr Töchter helft mir klagen

Bild Michael Morgner



Das was damals geschehen ist beansprucht, Wahrheit zu sein.

Darauf zu antworten scheint heute verzichtbar, allenfalls von privater Wichtigkeit.

Doch - was Größeres ist je behauptet worden? Und geglaubt?


Santa Semana in Andalusien

Nachdem ich die kommende Woche mit zwei Kollegen in einer Jesuitengemeinschaft in Salamanca sein werde, wildern wir doch in fremden Gewässern:

Ein Bericht auf einer - touristischen - Homepage über die berühmten Karwochen-Prozessionen.der Andalusier im Süden Spaniens.
Hier.

Allen eine gesegnete Karwoche!

Dienstag, 11. März 2008

Gedächtnis


Unser kollektives österreichisches Gedächtnis kann am 12./13. März auf zwei Daten zurückschauen.

Auf den Anfang des dunkelsten Kapitels in der Geschichte unseres Landes einerseits, den Tag als Österreich von der Landkarte verschwand. Auf das Ende eines großen Österreichers andererseits, der fest in der Überzeugung war, dass mit dem Tod ein neuer Anfang sich ereignet.

1938
Dieser 13. März 1938. Wir haben nur die Bilder der Macht, uns ein Bild zu machen. Wir kennen nur den Jubel und die Zustimmung.
So beschreibt Marlene Steeruwitz in einem Artikel die Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland. Und wirklich, taucht nicht das Jandlsche "Männchenmeere" des Heldenplatzes unwillkürlich in unseren Köpfen auf? Und zugleich - wie fern ist das uns Heutigen vielfach. Und weiter:
Von den Unglücklichen wird uns kein Bild gelassen. Erst als Material tauchen sie in den bildlichen Aufzeichnungen und den Statistiken wieder auf. Immer bleibt es beim Blick der Macht. Es kann aber nur gesehen werden, was gezeigt wird. Und so müssen wir die Erinnerung an diesen Tag selber weiterdenken. Die anderen. Von ihnen bleibt nur die Erzählung, wenn überhaupt etwas geblieben ist.
Dazu, und dagegen, zwei Bilder (die mich erschreckt haben). Die einen Teil der geschehenen Greuel verorten. Es gab viele Orte in unserem Land, an denen das "KZ" Wirklichkeit war. Zur Wikipediaseite über Mauthausen, die auch eine Liste einiger bekannter Häftlinge in Mauthausen und seiner Nebenlager enthält, hier.


Bild oben: das KZ Mauthausen und seine Nebenstellen in Österreich
unten: Gusen nach seiner Befreiung


Ein weiteres Bild kann ich euch aus diesen Tagen weitergeben. Ein Zeichen des Widerstands, das bis heute im Vilgrattental in Osttirol existiert.

Da ist in einem der Balkone dieser wuchtigen Bauernhöfe groß der Schriftzug "Grüß Gott" zu lesen. Aber erst der geschichtliche Hintergrund lässt uns erahnen, wie mutig dieser Bauer , der das Der hatte es nach dem Anschluss 1938 als Protest gegen den Führer in das Holz hineingearbeitet, zu einer Zeit, als jedermann sich mit dem neuen "Heil Hitler" zu grüßen hatte, als jedermann sich mit der hypnotischen Diktatur und ihren Handlangern gutstellte, wenn man sie denn nicht gar befürwortete. Das althergebrachte Grüß Gott war ihm und vielen in diesem Tal so nicht nur althergebrachte Weise und Brauchttum, sondern religiöses Bekenntnis und daraus heraus Zeichen des Widerstandes.

So wurde denn auch der Bürgermeister dieses Ortes interniert, und Innervilgratten hatte während der gesamten Zeit des Krieges die denkbar schlechteste Behandlung durch die Nazis. Bis heute erzählt man sich dort seine Geschichte, bis heute heißt der Hof der "Grüß Gott Bauer".

2004




In der Nacht auf den 13.3.2004 starb eine der größten Persönlichkeiten unseres Landes, Franz Kardinal König, im 99. Lebensjahr. Eine allgemein anerkannte Vatergestalt Österreichs, bedeutender Konzilsvater, maßgeblich an der Wahl Karol Wojtylas zum Papst beteiligt, Brückenbauer zu anderen Weltanschauungen und den Kirchen des Ostens, Religionswissenschaftler Intellektueller und Mann der Kirche, ein gebildeter, zugleich schlichter Mann des Glaubens, der Noblesse, Humor und Menschlichkeit ausstrahlte, der in seinem Testament schrieb:

"Mein Wunsch ist nur: an meinem Sarg die Osterkerze nicht zu vergessen."

Zwei Erinnerungen. Stimmen aus der Vergangenheit. Jemand Gescheiter hat gesagt: Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es aber vorwärts (Kierkegaard). Auf dass wir hellhörig unseren Verantwortungen entsprechend das Gute wollen und tun können.

Donnerstag, 6. März 2008

Contamos!


Also zähle ich doch. Um allen Besuchern die Gelegenheit zu geben ungefähr abzuschätzen, ob sie die einzigen sind die meine Einträge lesen oder ob da auch noch andere das gleiche tun, habe ich rechts einen Zähler installiert.

Dabei hab ich der Neuierde nachgegeben und mich über die Ambivalenz hinweggesetzt die sich bei mir breitmacht wenn ich anderswo so einen Zähler sehe. Zum einen stößt mich das eher ab. Zum anderen denk ich mir: wow, ned schlecht. Bzw. na, die 210 Besuche in 5 Jahren sind ja nicht die Welt. Und ich bin halt neuierig wieviele da in meine Seiten reinschauen.

Was wird genau gezählt?
Nicht die Seitenaufrufe in Summe werden angezeigt, das ginge ja recht schnell aufwärts, sondern alle "neuen Besucher". Dabei gilt jeder, der nach sechs Stunden wieder auf den Blog geht, als ein solchiger. Anders gesagt, wer innerhalb dieser sechs Stunden 100 mal vom gleichen Rechner aus meine Seite aufruft gilt als EIN Besucher. Alles klar?

Ich denke das ist ein guter Zeitraum, um die notwendige statistische Zäsur zu ziehen. Wenn ich selber auf meinen Blog gehe wird das entsprechend dem Schema oben natürlich auch automatisch mitgezählt.

Dabei hab ich 320 als Startzahl angegeben. So hoch schätze ich in etwa die Anzahl der Besucher bisher. Dabei bin ich von der Zahl meiner Profilaufrufe ausgegangen, als Anhaltspunkt.

So wenig, so viel dazu. War mir wichtig das zu kommentieren.

Viel Segen euch allen!

Montag, 3. März 2008

Inter-rupturen

Wenn einem das Werkzeug aus der Hand fällt soll man aufhören zu arbeiten.

Die Alternative: man ist halt patschert. Eigenartigerweise häufen sich bei mir gerade derartige Zwischenfälle. Vielleicht kennt das jemand. Zwei Beispiele.

Gestern Sonntag, schönes Wetter, juhuuu, gemma Radfahren auf den Radweg. Die ersten 100m, die Gänge rasten nicht richtig ein. Absitzen, anschauen, putzen, weiterfahren. Was passiert 100m weiter: Kette springt raus, verfängt sich so unglücklich, dass es hinten das Schaltwerk (ja so heißt das) abgerissen (!!) hat.

Heute. Bücherabstauben. Die Buchregalkonstruktion in meinem Zimmer besteht einfach aus Brettern, die auf zwei Metallteilen aufLIEGEN und kippen können. So dann auch geschehen, mit dem Ergebnis, dass mein drunterstehender Laptop zwei Buchstaben weniger am Keyboard hatte.

Immerhin weiß ich jetzt wie das Zeug unter den schwarzen Plastikteilen ausschaut und funktioniert. Bzw. funktioniert hat.

Naja, ärgern bringt ja nix.

Ich bin jedenfalls der Überzeugung, dass das Dinge sind, die auf innere Vorgänge in mir schließen lassen. Oder kleine Zeichen sind. Dir passiert etwas, was dir sonst nicht passiert. Und das bedeutet etwas. Wer Ohren hat der höre.

Sonntag, 24. Februar 2008

Still alive


Hör grad die unglaublich guten Fanfare Ciocarlia "Manea Cu Voca", schönes Video, Balkanbrass pur.

Ansonsten hab ich grad die erste Uniwoche hinter mir und versuch euch bald die ersten selbstgeschossenen Fotos zu schicken ... unglaublich wieviel Modelle an Kameras es gibt. Da hängt man Stunden im Netz, liest seitenlange Berichte, und hat noch immer die Qual der Wahl.

Hoffe das neue Design des Blogs gefällt euch halbwegs. Hasta luego!

Sonntag, 17. Februar 2008

Es gibt sie doch!


... Schulen des christlichen Gebetes.

So gesehen vor drei Tagen in der Basilica S. Maria sopra Minerva in Rom, die von Dominikanern betreut wird.Vier Wochen, mit jeweils einer Woche Pause, von Montag bis Freitag, 21.00-22.00 Uhr, nach dreißig Minuten Katechese dreißig Minuten persönliches Gebet in absoluter Stille.

Themenkostproben: "Das Gebet und der Atem der Seele". "Sich selbst kennenlernen". "Das liturgische Gebet". "Die Schwierigkeiten der Praktizierenden". "Hören bedeutet lieben". "Auf Jesus hören." "Das Herzensgebet vor der Eucharistie" ...

Wie schön wäre es doch, wenn in vielen Gemeinden, Ordensgemeinschaften, Bewegungen solche Gebetsschulen entstehen würden!

Vgl. dazu das Ruhegebet nach Johannes Cassian.

Freitag, 8. Februar 2008

Zurückschauen, bevor ich mich ins römische Intermezzo stürze

Morgen früh flieg ich nach Rom, wo ich mit meinen Kollegen vom Wiener Priesterseminar eine Woche verbringen darf. Ursprünglich wollte ich ja in Rom studieren, ist einer meiner Weltlieblingsorte. Dort atmet noch das alte Imperium, lebt der Geist des Christentums und der Apostel, mischt sich der Geruch von Pizza mit dem Gestank des Verkehrs. Und immer ists eine Pilgerreise, immer fehlen die Stunden um die tausend Schätze dieser Stadt zu erkunden.

Mein Blog wird also ebenfalls eine Pause einlegen. Zeit für eine kleine Zäsur. Was blieb so hängen in den ersten vier Wochen?

Die Gemeinschaft im Colegio: die Amtmosphäre ist sehr brüderlich und international, was mir ganz besonders gut gefällt. Und mit der Zeit werd ich wohl auch die bromas (Schmähs) mitkriegen, an denen es nicht fehlt.

Die Zeiten in unserer Hauskapelle: die Gegenwart des Herrn im Tabernakel, dem neuen Bundeszelt. In jeder Kapelle und Kirche - immer schon ein zuhause.

Der andere Tagesrhythmus: ich hab halt noch immer um spätestens 12.30 und 19.00 Uhr Hunger (wir essen um 14.00 und 21.00 Uhr).

Die Sonnenuntergänge, die hier täglich direkt vor meinem Fenster stattfinden, sind wunderschön. Der ganze Himmel leuchtet. Und jeden Tag anders.

Die Sprachmelodie des Castillano. Hombre, qué pasa?

Das Essen im Haus: muy rico (reichhaltig)!

Die Sprachschule und die Leute dort. Wiewohl ich viel Englisch mit den Amis geredet haben. Unser Abschluss"abend" war echt fein.

Die Herausforderung und die Chance: mir tut der Aufenthalt hier auf vielen Ebenen schon jetzt gut. Die Arbeit und das Sprachelernen werden aber nicht weniger werden.

Viel Sonne.
Eine riesige Stadt mit schnurgeraden 6 spurigen Prachtstraßen (plus Bäume, Nebenfahrbahn, breiten Gehsteigen etc) und verwinkelten Altstadtgassen.
Überall viele Menschen auf den Straßen.
Fortgehmeilen, Bar neben Bar, und einem dichten Gemisch aus Einheimischen und Fremden.
Die vielen naturgewellten Haare, der elegante bis modische-weibliche Kleidungsstil der Madrilenas.
Die typischen schwarzen kleinen Schmiedeisenbalkone an den Fenstern der Stadtfassaden.
Der penetrante Geruch von Fisch und den Schweinsschinkenhaxen in den Supermärkten.
Dass viele hier viel rauchen.
Das Geräusch der Fußgängerampeln bei grün.
Dass es relativ sauber ist in der Stadt.
Trotz des vielen Verkehrs die gute Luftqualität.
Die Farbe der Stadt: rot, Ziegelton.

Womit ich wieder bei Rom angelangt wäre, das einen ähnlichen Farbton hat. Amigos, hasta la vuelta!