Mittwoch, 30. Juli 2008

Die Kirche ist jung - Wie Loretto entstand


Vorbei ist der Weltjugendtag in Sydney, aber sein Anliegen bleibt aktuell: die Jugend unserer Zeit für Christus zu gewinnen.

So dachte mir es ist mal an der Zeit ein bisschen über die Loretto-Gemeinschaft zu erzählen, in der ich seit 1994 beheimatet bin und der ich persönlich so viel verdanke (d.h. vor allem den vielen Menschen die ich dort kennenlernen durfte und ihrer überzeugenden Art, Christen zu sein).

Ein aktuelles Interview mit unserem Gründer Georg Mayr-Melnhof (vgl. Foto), das auf unserer Homepage zu lesen ist, fasst ganz gut zusammen wofür wir stehen und wofür unser Herz schlägt. Damals 1987, als ein junger Student, gründete er einen kleinen Hausgebetskreis in Wien, ohne im Geringsten zu ahnen, was der Herr daraus noch wachsen lassen würde.

Was mich von dieser Entstehungsgeschichte der Lorettos zur Zeit am meisten bewegt ist zum einen der Ruf, den Georg damals ganz stark von Medjugorje her mitnahm, nämlich Gebetskreise zu gründen. Orte, an denen vor allem junge Menschen den lebendigen Gott kennenlernen können, an dem sie sich für Christus begeistern lassen können. Orte, an denen sie in eine konkrete Beziehung mit Gott hineinwachsen. Zum anderen die hingebungsvolle Freundschaft, die da gelebt wurde und die wie ein Katalysator dafür war, dass Gott wirken konnte.

Wir sind in Österreich, in Europa auf keinem Rückzugsgefecht hin zu einer kleinen, von Pastoralämtern und Ordinariaten verwalteten Christenherde. Wir sind gerufen, Christus NEU zu verkünden in unsere Lebenswelten hinein. Jeder der sich Christ nennt ist auch zum Apsostolat gerufen, gerufen Zeuge und Missionar zu sein. Wie? Und wann? - Ich glaube nicht, dass Gott stumm ist... nur wir oft zu schal, zu lau, zu ängstlich, zu verkopft, zu sehr auf uns konzentriert.

Das kenne ich nur zu gut von mir selber. Aber jeder neue Tag ist ein Geschenk wieder umzukehren, uns neu aufzumachen.

Freitag, 25. Juli 2008

Du findest spenden öd? - Warum nicht Kreditgeber werden?


Bin ganz begeistert von diesem Mikrokreditsystem. Dafür gabs nicht nur einen Freidensnobelpreis für Muhammad Yunus und die Grameen Bank in Bangladesh - so was gibts auch bei uns.

Das Prinzip von Oikokredit heißt: nicht spenden, sondern sein Kapital armen "Mini-Unternehmern" zur Verfügung stellen, die sonst keine Kredite bekommen in ihren Ländern. Effektive Hilfe zur Selbsthilfe. Das heißt dein Kapitel "arbeitet" nicht für deinen Gewinn, sondern 100% sozial, in den letzten Jahren mit fixen 2% Dividende (mehr als die meisten Sparbücher).

Seit kurzem ist der im Bankwesen anerkannte und bekannte Ex Raika Manager Peter Püspök neuer Vorstandsvorsitzender von Oikokredit Austria.

Intelligentes, innovatives, soziales Ding - so macht Helfen Sinn. Ab € 200,- ist man dabei (man erwirbt Genossenschaftsanteile und wird Mitglied des Vereins bei einem Mitgliedsbeitrag von € 15 jährlich. Das Geld ist jederzeit wieder abhebbar. Jahresabschluss von PricewaterhouseCoopers geprüft, untersteht Finanzaufsicht der Niederlande).

Wär auch ein ideales Geschenk für sich selber und andere ....

Älteste Bibel der Welt jetzt online


Die Bibel - ist doch eh alles von der Kirche gefälscht! Es ist erstaunlich, wie oft ich diesen Satz schon mal gehört habe.

Das hilft vielleicht das Schauen mehr als jedes begründete Gegenargument: der Codex Sinaiticus, im 19. Jahrhundert in dem uralten Katharinenkloster am Berg Sinai (daher der Name) gefunden, ist ab sofort (in Teilen, ab 2009 ganz) online ansehbar: www.codex-sinaiticus.net/de

Der Codex ist "das älteste Buch der Welt" (weil gebunden, davor gabs nur Schriftrollen!) und stammt aus der Zeit um 350 nChr.

Bemerkenswert, dass man damals nur griechische Großbuchstaben verwendet hat. Die heutige Standardausgabe für das Neue Testament, dem quasi alle modernen Bibelübersetzungen zugrunde liegen (nach seinen Autoren meist "Nestlé- Alland" genannt), bezieht diesen als einen der wichtigsten Codices neben dem sog. Codex Vaticanus (etwa aus der gleichen Zeit) als Basis für seine Verson des Bibeltextes ein.

Muss man nur noch sein Altgriechisch etwas aufpäppeln :)

Mittwoch, 16. Juli 2008

Mitten im Eintauchen



(A todos vosotros, amigos de lengua espanola, que quiza visitaís mi pagina - !un abrazo muy fuerte de todo corazon de vuestro hermano en Viena! Que vengaís a mi tierra en el ano que viene!)

Ich liebe es, an einem heißen Sommertag an die Alte Donau in Wien zu fahren, ins kühle Nass einzutauchen, zu schwimmen, die Seele baumlen und die Sonne mir auf den Bauch scheinen zu lassen.

Und mach ich das? No. Bin dafür eingetaucht in die "unendlichen Weiten" meines Diplomarbeitsthemas und werde also versuchen, was Intelligentes und theologisch Fruchtbares zum Thema "Eucharistische Ekklesiologie bei Joseph Ratzinger und John Zizioulas" zu schreiben.

Das heißt auch Diplomarbeitspause für meinen Blog - an dieser Stelle ein Dankeschön an alle die mal reingeschaut haben während meiner Zeit in Madrid!

Dennoch werde ich mich bemühen, einige "best of" Fotos ins Netz zu stellen. Bis dann y hasta luego!

Donnerstag, 19. Juni 2008

Despedida - Abschied

Das vergangene Wochenende hatte es in sich. Donnerstag letzte Prüfung, danach mit dem Bus siebeneinhalb Stunden nach Barcelona. Freitag die ganze Stadt angeschaut - wirklich sehenswert. Und das Meer ist halt für ein Landei wie mich immer ein Erlebnis.

Barcelona, Strandpromenade

Samstags gings per Flieger zur Priesterweihe in den Wr. Stephansdom - sechs Priesterweihen, und da meine eigenen Freunde aus dem Seminar geweiht wurden, war das ein besonderes Gefühl diesmal. Auch meine Weihe steht vor der Tür ...

Und die folgenden Worte des Kardinals sind mir besonders hängen geblieben: Die Eucharistie ist deshalb so zentral, weil sie uns Gläubigen immer wieder vor Augen führt, uns - mehr noch - Anteil gibt an dem, was wir leben sollen: Hingabe an die anderen in der Nachfolge unseres Herrn. Nicht weniger. Nicht aus eigener Kraft, aber aus eigenem Wollen, füge ich hinzu. Jesus ganz konkret im je JETZT hereinlassen, mit ihm durch Begegnungen, Termine, Schwierigkeiten gehen. "Ahme nach was du vollziehst".

Abends bin ich zu meinen Eltern heim, am Sonntag durfte ich eine Primiz mitfeiern. Abends gabs noch eine Arbeit fertigzuschreiben, Montag gings wieder nach Barcelona. Hab mitgezittert mit der österreichischen Elf bei Steak und Bier am Strand.

Zurück in Madrid war gestern das Abschiedsessen meines Colegios, heute feiern wir despedida mit den Leuten des Lizenziaturstudiums Moraltheologie. In der kommenden Woche fahren alle der Reihe nach weg, nachhause die einen, an verschiedene Orte Spaniens die anderen.

*

Despedida - Abschied, so schnell und überstürzt fast, nachdem ich mich hier schon ganz zuhause gefühlt habe, heißt es "nicht bleiben" und weitergehen.

Ein Bild für unser (christliches) Leben - nicht um es sich gemütlich einzurichten irgendwo, um dort zu verharren, sondern ein immer wieder Aufbrechen, ein abrahamitisches Verlassen des Gewohnten.

Hast du dein Herz investiert, sind Abschiede immer auch traurig, denn du lässt liebe Menschen zurück, wirst manche nie wieder sehen, bleibt ein Teil deines Ichs, das du hier gelebt hast, hängen an ihnen, an den Orten.

Aber du kehrst reich beschenkt heim an deinen Platz. Wenn es gut ging, hat dich die Einsamkeit, die du als Fremder ebenfalls erlebt hast in diesen Wochen und Monaten, dich selber besser kennen gelehrt. Haben die anderen "Schwingungen" einer anderen Kultur dich neu geformt, Seiten an dir umgestaltet.

Hat dich der Herr, den du mir neuen Wörtern gelobt, zu dem du an neuen Orten gefunden hast, weitergeführt auf dem Weg, der dein ureigener ist.

Es bleibt das Band des Gebets, die Gemeinschaft des einen Leibes Christi in der Eucharistie.

*

So verabschiede ich mich voll Dankbarkeit von diesem Semester und so vielen herzensguten Menschen, die ich kennenlernen durfte.

Samstag, 7. Juni 2008

Dienende Kirche

Bereite mich zur Zeit auf die letzten beiden Prüfungen vor. Und beschäftige mich mit Texten wie dem folgenden:

"Die Heilige Synode bekennt darum die hohe Berufung des Menschen, sie erklärt, daß etwas wie ein göttlicher Same in ihn eingesenkt ist, und bietet der Menschheit die aufrichtige Mitarbeit der Kirche an zur Errichtung jener brüderlichen Gemeinschaft aller, die dieser Berufung entspricht.

Dabei bestimmt die Kirche kein irdischer Machtwille, sondern nur dies eine: unter Führung des Geistes, des Trösters, das Werk Christi selbst weiterzuführen, der in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben; zu retten, nicht zu richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen. "

Aus dem Dokumet Gaudium et Spes (Nr. 3) des II. Vatikanischen Konzils


... nur dies eine... Schon stark. Wir als Kirche sollen also das weiterführen - mit Hilfe des Heiligen Geistes - was Jesus getan hat! Sollen Zeugnis geben - von der Wahrheit, wie er. Sollen die anderen nicht richten, sondern zu ihrem Heil wirken, wie er. Sollen uns nicht zuerst bedienen lassen und passiv sein, sondern selber den anderen dienen, so wie er.

Die (katholische) Kirche denkt nicht gering vom Menschen, sondern im Gegenteil verteidigt seine "hohe Berufung". Allen bietet sie ihre aufrichtige Mitarbeit an, um eine brüderliche Gemeinschaft mit aufzubauen, im Kleinen und im Großen.

Wir sind diese Kirche. Uns Heutige ermutigt der Herr, das zu leben, was wir an ihm gesehen und von ihm gelernt (und erfahren) haben.

Dienstag, 3. Juni 2008

Wie man von Mutter Teresa zu Vineyard kommt

Was passiert einem katholischen Internetsurfer, der spätabends nach einem guten Foto von Mutter Teresa googelt? - Richtig, er landet auf einer Seite der Vineyard Gemeinde, genauer gesagt dem Blog ihres jungen Pastors (wie mir scheint) in Heidelberg.

Wer mal Freikirche näher kennenlernen will, wie sie versuchen Evangelisation zu verstehen und was so ihre Themen sind, sei herzlich eingeladen reinzuschauen.

http://siyach.wordpress.com

Für alle dies lieber katholisch haben einen netten Blog unter Pax et bonum.

Franzl schau oba!

Donnerstag, 29. Mai 2008

Deutschland - Griechenland 0:1

Wie Sokrates zum Fußballstar wurde und warum auch Marx keine große Hilfe war für die Deutschen. Zwischen Lernstress und Fußball-EM eine Monthy Python Produktion als Klick-Link.

Wie würden die spanischen Radiokommentatoren sagen (in zehnfacher Edi Finger Lautstärke)? Goooooooooooooooooooooooooooooooooooaaaaal! Go-go-go-goooooooooal!!

Samstag, 24. Mai 2008

www.coenaculum.blogspot.com - Werde Co-Autor!


Habe kurzfristig angedacht, einen neuen Blog anzubieten. Vielleicht wird auch eine neue unabhängige Homepage daraus, werden sehen.

Er soll von VIELEN Leuten gestaltet werden soll und im Internet eine ästhetisch ansprechende, inhaltsreiche, meditative Oase des zur Ruhe Kommens und des Zeugnisses für den Glauben an den lebendigen Gott, der nicjht vor Kitsch, Kreuzen und strotzt und dem nicht gleich das "Achtung ich bin katholisch" überall raushängt.

Ich suche dazu Co-Autoren, die Freude haben, ansprechende Bilder, kurze Gebete oder Heiligenzitate, selbstverfasste tiefgehend-scharfe Impulse, .... beizusteuern. Leute, die Spaß haben nicht nur ihr StudiVZ einzurichten sondern auch so kreativ Zeugnis zu geben und im Internet präsent zu sein,

Bzw. auch einfach nur gemeinsam kreativ zu sein, an einem Projekt zu arbeiten, einander mit guten Einträgen zu überraschen.

Die Adresse und ein erster Eindruck: www.coenaculum.blogspot.com

Der Start soll im Juli 2008 erfolgen. Ideen, Vorschläge, Kritik usw. sind gerne ab sofort gesehen. Hier oder auch an: stefanschweiger@gmx.at

P.S.: die Bedienung der Blogger-Programmiermaske ist watscheneinfach.

Freitag, 23. Mai 2008

Zusammengewürfeltes


So, erstes Uni-Examen geschafft. Ein gutes Gefühl nach all dem Stress. Es regnet wie aus Kübeln schon den ganzen Tag, und ich bin nach einer laaangen Siesta wieder am munterwerden. Schon wieder eine Woche um ...
  • Schön langsam drängt alles zum Ende, und ich würde noch gerne länger bleiben. Habe so viel Gutes hier erfahren. Irgendwie freuts mich nicht heimfahren.
  • Hab am Blogschreiben Gefallen gefunden. Werde in irgendeiner Form zuhause weitermachen. Wird aber einen anderen Charakter brauchen. Ein anderes Profil.
  • Hab am vergangenen Wochenende an einer Regionalversammlung der charismatischen Erneuereung teilgenommen und ein paar junge Leute kennengelernt. So werde ich in der nächsten Zeit auch zwei Gebetskreise hier in Madrid kennenlernen. Wie schön!
  • Waren vorgestern mit der Klasse der Moral-Lizenziatur auf Exkursion in Burgos. Besonders die Begegnung mit einem Karthäuser (jawohl, absolute Ausnahme für uns ... war sehr beeindruckend) ist bei mir hängen geblieben. Was für eine Transparenz und Klarheit dieser Mann ausgestrahlt hat! Viele heiligmäßige Menschen leben unter uns ... auch wir dürfen uns anstecken lassen....
  • Erfahre mich zur Zeit sehr von Gott beschenkt. Er klopft auch an eurer Tür.

Sonntag, 18. Mai 2008

Video auf YouTube


YouTube Video-Fotoschau über meinen Ausflug nach


Andalusien mit den meisten Leuten meines Colegios


zusammengestellt von Noé aus México. Enjoy!

http://www.youtube.com/watch?v=RtXtmA1Uslw

Freitag, 16. Mai 2008

Spanischklasse Abschluss

Ein paar Fotos von der letzten gemeinsamen Spanischklasse auf der Uni letzte Woche. Viel Spaß.

Dienstag, 13. Mai 2008

Was Jesus heute tut

Leute, ich muss euch das einfach weitererzählen, die vielen Zeugnisse vom Pfingsttreffen am vergangenen Pfingstwochenende in Salzburg sind eine Wucht sondergleichen. Hat mich sehr berührt. Da kann man nur heulen vor lauter FREUDE!

So viele kennen Kirche nur fad und flach, lasst euch von diesen Zeugnissen anstecken und wer noch nie dort war oder wer junge Leute kennt die offen sind für sowas - kommt einfach im nächsten Jahr nach Salzburg! Die Orte der Gnade sind heute da wie in den Tagen der ersten Christen. Nur hingehen muss man damals wie heute selber ...

Klickt euch hier rein. Und dann sagt mir, dass das alles nur Massensuggestion ist oder was... Es ist niemandem unmöglich gemacht, selber Ähnliches zu erfahren.

Ich war selber schon paarmal dort, meistens mit der Band, und es war immer ein einzigartiges unvergessliches schönes und tiefgehendes Erlebnis.
Ein Leben mit dem lebendigen Gott ist so schön! Das ist wie wenn man verliebt ist ...

Montag, 12. Mai 2008

Alfred Delp, Franz Jägerstätter

Erweiterung des Teiles "Menschen mit Botschaft" in der rechten Blogspalte: heute habe ich einen Link zum unlängst selig gesprochenen Franz Jägerstätter und den ebenso unter den Nazis hingerichteten Jesuitenpater Alfred Delp hinzugefügt. Beide gilt es für die heutige Zeit und heutiges Christentum zu entdecken.

Ein starkes Zitat von A. Delp, dass mich manchmal begleitet, auch hier in Spanien:

„Innerlich habe ich viel mit dem Herrgott zu tun
und zu fragen und dran zu geben.
Das Eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen,
wir aber sind oft blind.

Wir bleiben in den schönen und den bösen Stunden hängen
und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.

Das gilt … für alles Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
und fragt
und will die anbetende, hingebende Antwort.“

(geschrieben im November 1944 aus einem Gefängnis in Berlin, rechnend mit seiner Verurteilung zum Tod)

Samstag, 10. Mai 2008

Wahrheit I


Manchmal sehe ich in den Augen derer, mit denen ich über den Glauben ins Gespräch komme, etwas wie Angst oder eine prompte innere Sperre oder Flucht - ich denke das kommt aus einer Beunruhigung, dass die eigene Position, das Leben zu betrachten, vielleicht nicht die richtige sein könnte.
Und das Gespräch nimmt eine andere Wendung oder verläuft im Sand.

Und ich denk mir nicht - na der soll gefälligst gläubiger werden! Aber schon: na da wurmt ja was herum, da bohrt doch eine Anfrage, eine Unzufriedenheit, geh ihr doch nach! Wohin immer das den einzelnen dann auch führen mag.

Aber viele heutzutage ziehen eben aus dieser Unruhe keine (intellektuelle, existentielle) Konsequenz: sie machen sich nicht auf die Suche nach der Wahrheit. Dieses Ding mit der Wahrheit hab ich lange nicht verstanden. Von Edith Stein sagt man zB, dass sie, bevor sie gläubig wurde, intensiv nach der Wahrheit gesucht hat. Dasselbe hat eine andere Jüdin, Etty Hillesum, in ihren Tagebüchern beeeindruckend geschildert. Das schien mir aber immer ganz fern dem Lebensgefühl unserer heutigen Generation zu sein.

Da kam mir diese oben beschriebene kleine Erfahrung meinerseits aus diversen Gesprächen (in der Spanischklasse, bei einem Hausfest) in den Sinn. Viele beginnen erst wenn sie sich emotional oder existentiell stark erschüttert oder unbefriedigt vorfinden diesen Prozess des Sich Aufmachens, Suchens, Forschens, Denkens, neuen Lebens.

Wie ermutigt uns da doch jene universelle Verheißung, die uns verspricht: " Sucht, und finden werdet ihr" (Mt 7,7)

Montag, 5. Mai 2008

Al-Andalus, Uni und Pfingsten

Morgen also das erste kleine Examen. Bis Juni heißt es ab jetzt reinbeissen.

Waren wie schon erwähnt im Süden Spaniens vier Tage unterwegs, und ich bin wirklich begeistert. Granada und Cordoba haben nicht nur durch ihre 30 Grad Anfang Mai, ihre Fiesta Atmosphäre, das Flamenco-Carmen-Palmen Ambiente und die jeweils landschaftlich herrliche Lage mein Herz gewonnen, sondern vor allem durch einzigartige Gebäude wie die Alhambra in Granada (auch von außen nett), die Kathedrale/Moschee von Cordoba, die bewegte Geschichte, die Mischung jüdischer, muslimischer, christlicher Stile.

Natürlich war uns durch unseren Rektor P. Martos, selbst in Cordoba aufgewachsen, Kind einer grossen (adeligen) Familie, ein einzigartiger Führer geschenkt. Und wir haben als Gemeinschaft diese Zeit echt genossen.

Einige von uns verbringen genauso wie ich ihre letzten Wochen hier in Spanien. So bin ich nicht der Einzige, der mit dieser Perspektive die kommende Zeit hier leben wird.

(¿Quiza escribiré también un poco en Español hasta mi partida? Vamo´ a ver. ¡P´a´lante! :))



Auch die Liturgie fällt unter das Diktum der Beschleunigung in diesen Tagen. Nach Christi Himmelfahrt, nachdem Jesus mühsam den Seinen klarmachen musste was das mit der Auferstehung auf sich hat, folgt nun eine neue Zeit- zunächst eine des Alleineseins, ohne den Auferstandenen, aber mit einer Verheissung. Im Gebet wiederholt die Kirche heute genau dasselbe wie die Jünger und Apostel damals: sie betet um die Ausgießung des Heiligen Geistes.

Wer skeptisch ist, wer oder was das sein soll, hat diese Skepsis mit den Jüngern gemein. Wie den ersten Christen aber will sich der Herr auch auf diese Weise uns heute offenbaren. Da könnte man schon neugierig werden. Und wenn man die Stellen über den Heiligen Geist und alles, was er bewirkt hat, in der Apostelgscheschichte schon mal vorweg studiert, umso mehr.

Komm, heiliger Geist, belebe uns neu durch deine Gegenwart.
Euch allen viel Segen und Freude auf eurem Weg.

Mittwoch, 30. April 2008

Puente

Puente heißt eigentlich Brücke. Aber so nennt man hier auch ein langes Wochenende... welchiges unmittelbar bevorsteht und das ich mit einem Großteil der Leute aus meinem College (siehe Bild des letzten Blogeintrags) in Granada, Cordoba und Umgebung verbringen werde. Aber bevor ich mich in mein Metallgestellbett schmeiße, noch Folgendes:

Lese grade einen Klassiker aus den Unineted States - Richard Niebuhrs Christ and Culture (1951). Wie leben die Christen ihren Glauben in ihrer Kultur und Umwelt? Wo lebt man wie Alternativkultur, wo wird mit welchen Worten über Chrsitus und seine Botschaft gesprochen? Wie leben die Christen ihren "doppelten Kampf" im Ringen um ein rechtes christliches Leben - Gott gegenüber und ihrer jeweiligen Kultur? Welche Antworten haben in den letzeten 2000 Jahren die Christen gegeben?


Steht Christus über jeder Kultur, oder der Kultur (vor allem, ausschließlich, auch?) entgegen? Oder sieht der Christ ihn als denjenigen an, der die jeweilige Kultur und die Christen vielmehr verwandelt? Oder gibt es vor allem Übereinstimmung, ist Jesus der Erfüller der menschlichen Kultur oder zB mit einer Kultur - etwa der westlichen - unauflöslich verbunden?

Diese Fragen betreffen ja nicht nur den einzelnen Christen, sondern auch die Kirchen und die zivilen Staaten und Gesellschaften. Aber zunächst einmal mich. Wofür trete ich - ausgesprochen oder nicht, bewusst oder nicht - ein, wo stehe ich?

Das schöne an einer Tyologie ist ja, dass man sich da unwillkürlich fragt, wo man denn jetzt selber reinpasst. Was dann zum Nachdenken anregt. Typen sind vor allem Werkzeuge, um besser zu sehen, nicht um sich und andere zu schubladisieren. Jedenfalls hat die bisherige Lektüre meinen Blick geschärft, einen Blickwinkel aufgetan: so und so auf die Dinge hinzuschauen.

Zu Recht bemerkt der Autor des Vorwortes: Klassiker sind Bücher, die einen Beitrag leisten, an dem man, immer wenn man über das betreffende Thema spricht, nicht herumkommt, die Begrifflichkeiten und Unterscheidungen schaffen, die bleiben, die ihr Gedankenwerkzeug ganzen weiteren Generationen zur Verfügung stellen.

In welcher Weise ist Christus für die heutige Welt relevant? Was werden die Historiker über unser Christentum einst schreiben? Zu meinen wir wären unwichtig für das Weltgeschehen halte ich für falsch und unwürdig.

Zum Abschluss genau dazu ein Zitat eines Spaniers, der seinerseits viele Menschen bewegt hat, ihre Kultur(en) von Christus her zu erneuern:
Ein Geheimnis - ein offenes Geheimnis: es gibt Weltkrisen, weil es an Heiligen fehlt.
Gott wünscht eine Handvoll "seiner" Leute in jeder menschlichen Tätigkeit. - Dann... "pax Christi in regno Christi" - der Friede Christi im Reich Christi.

Josemaria Escrivá de Balaguer, Der Weg Nr 301

Dienstag, 22. April 2008

Nachbarn, Kollegen, Freunde

Ich fühl mich sehr wohl hier im Haus, das hab ich schon ganz zu Beginn gesagt und das hat sich nicht verändert. Mit allen hab ich eine gute bis sehr gute Basis gefunden, die Leute sind echt unkompliziert und entstpannt.


Hier für euch das offizielle Gruppenfoto vor unserem Haus, die Qualität - na, ist nicht der beste Apparat gewesen. Werde euch meine Hausgenossen wenn ich Zeit finde noch näher vorstellen - auch weil sie teilweise Lebenserfahrungen aus Ländern mitbringen, die wirklich ganz anders sind als das was wir so kennen...

Heute beim Austausch hat P. Pierre-Claver aus Rwanda (letzte Reihe, 3. von re, Kopf leider etwas verdeckt) von der Situation der Priester in seiner Heimat erzählt. Er kennt Priester, die manchmal einen ganzen Tag NICHTS zu essen haben bzw. ganz einem normalen Beruf nachgehen um sich wenigstens irgendwas leisten zu können.

Und mit Raisy aus St. Domingo (1.Reihe stehend 5. v.re) hatte ich zuvor noch ein Gespräch - warum zB nicht in Bildung investiert wird, die Gesellschaft nicht die korrupte Politik ändert etc. Er sagt, in ganz Südamerika haben sie das Problem, dass die Reichen und die Schicht mit Einfluss und Macht, also die, die etwas ändern könnten, ihr eigenes Leben führen, zB ihre eigenen elitären Privatschulen nach US-amerikanischem oder französischem System haben, mit 18 ihre Kinder auf Unis ins Ausland schicken etc. Das also die Elite NICHT für das Allgemeinwohl denkt und arbeitet.

Ich hoffe sehr, dass sich in unserer einen Welt die Dinge ändern. Nicht allen Reichen allen Reichtum nehmen und verteilen - aber Strukturen so ändern, dass alle Chancen und gerechte Bedingungen finden, menschenwürdig zu leben, zu arbeiten, wo Rede- und Pressefreiheit, wo eine funktionierende Justiz existiert usw. Da denk ich mir oft: Das kann doch ned sein dass das nicht funktioniert wenn nur bissl Wille und Einfluss der reichen demokratische Staaten da wäre etc....!!

Wie schwer das aber aufzubauen ist (selbst wenn es viele gut gewillte und gut ausgebildete Leute gibt), und wie gut das eigentlich bei uns zuhause funktioniert, das lerne ich hier immer mehr.

Mittwoch, 16. April 2008

Avila


Heute ist Sightseeing und virtuelle Wallfahrt angesagt. Am Wochenende war ich mit Wilmer aus Peru in Avila, der heiligen Terese einen Besuch abstatten und die kleine Stadt auf 1100m Höhe, nahe der Grenze zu Portugal, besichtigen.


Berühmt ist auch die rund um die Stadt gehende Mauer aus dem 12. Jh. Besonders eine (tlw. neu nachgebaute) römische Brücke plus Wegsteine abseits aller Touristenpfade hats mir angetan ... den Weg hat die Heilige mit Sicherheit öfters benutzt.


Oben die Kirche (mit Kloster natürlich) über ihrem Geburtshaus.

Teresa ist eine echte Powerfrau ihrer Zeit. Mit den Füßen auf der Erde, und ganz ihrem geliebten Jesus hingegeben. Bis heute denk ich ist ihr Modell einer auf zwölf beschränkten Gemeinschaft von Kontemplativen eine attraktive alternative Lebensform vieler Frauen. Ihre Schriften zählen zum Besten was wir an Schätzen geistlicher Art in unserer Kirche haben.

Hab den kurzen Aufenthalt genossen, auch wenns saukalt war. Jetzt fehlen noch Santiago de Compostela und Loyola als geistliche Fixpunkte eines Spanienaufenthaltes eines Theologen...

Viele Menschen in Paraguay hoffen auf einen Ex-Bischof


Christentum und politisches Engagement, ja nonaned, aber in unserer christlich-müden österreichischen Volkspartei? Oder in einer neuen christlichen Partei, die mit (teilweisen) guten Zielen einfach zu engstirnig unsekular agiert, um selbst für Erz-gläubige eine Alternaive ... ich meine, Alternative zu sein?

Paraguay wählt am 20. April einen neuen Präsidenten. Der ehemalige katholische Bischof von San Pedro im Norden des Landes, Fernando Lugo, ist einer der Kandidaten. Dass ein Bischof sein Amt niederlegt (vom Vatikan 2006 "suspendiert" von seinen priesterlichen Diensten und somit freigegeben für die Politik) und politisch für das Volk dasein will, ist einfach wunderwunderbar für mich. In Paraguay besitzen 2% der Einwohner 80% des Landes. Viele leben fern von politischer Einbeziehung (Indios) oder in Armut.

Wir denken normalerweise die Kategorien Politik und Liebe nicht zusammen. Chiara Lubich hat einmal die Politik als "höchste Form der Liebe" bezeichnet, weil sie die Bedingungen schafft, in der jeder (in Würde) seiner (von Gott geschnekten) Berufung als Mensch folgen kann. Heute ist die Form des klassischen Almosengebens das gesellschaftliche und politische Engagement als Christ. In diesem Sinne hoffe ich auf Gerechtigkeit für alle Menschen in Paraguay - besonders aber für die Armen und Indios.

Vgl. dazu den ORF Beitrag über Paraguay.